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Überblick: Langzeit-Therapiefolgen beim SD-Krebs (Parker 17)

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Harald(Bundesgeschäftsführer
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BeitragÜberblick: Langzeit-Therapiefolgen beim SD-Krebs (Parker 17)

 
Verfasst am: 30. Jun 2017, 16:46
Danke! sagen : Maria2, dkr
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in den Link-Kategorien:
[url=l2405Review: Langzeit-Therapiefolgen beim Schilddrüsenkrebs (Parker 2017)[/url].(128 clicks)
Original Titel:
Long-term treatment-related morbidity in differentiated thyroid cancer: a systematic review of the literature

Autoren:
William AE Parker, Ovie Edafe, Sabapathy P. Balasubramanian
von The Medical School, The University of Sheffield und Royal Hallamshire Hospital, Sheffield

in:
Pragmatic and Observational Research
16 May 2017; 8, p57-67

zur Link-Liste
Hallo,

hier eine Zusammenfassung vom mir von dieser Übersichtsarbeit (Review) zu Studien zu Langzeit-Therapiefolgen bei PatientInnen mit dem differenzierten (nicht medullär und anaplastisch) Schilddrüsenkrebs untersuchten.

Diese Übersichtsarbeit ist keine Metaanalyse sondern beschreibt lediglich, was es an unterschiedlichen Studien gibt.

Diese Zusammenfassung von mir ist nicht vollständig und insbesondere bei sehr fach-terminologischen Beschreibungen durch die Autoren habe ich versucht dies für uns nur sehr grob zusammenzufassen.
Zudem habe ich Links auf unsere Forums-Link innerhalb des ForumsGruppen aufgenommen, in denen unsere Forums-NutzerInnen unter eben diesen Langzeitfolgen leiden.

Dieser Beitrag von mir soll vor allem für uns Schilddrüsenkrebspatienten einen komplexeren Überblick über die Beschwerden und deren Erforschung geben.
Einen kurzen, allgemeinverständlichen Einführungsbeitrag zu den Nebenwirkungen gibt es von Irmgard:
Link innerhalb des ForumsFAQ-Hilfe: Nebenwirkungen bei Therapie des Schilddrüsenkrebs

Auf den Seiten der Gruppen finden sich zu dem weitere Studien, die nach der Erhebung dieser Übersichtsarbeit publiziert wurden.

Inhaltsübersicht dieses Beitrags:

Methodik
Für diese Übersichtsarbeit haben William AE Parker, Ovie Edafe und Sabapathy P Balasubramanian von der Medizinischen Hochschule der Universität Sheffielt in Großbritannien eine Suche auf PubMed gemacht. Der Zeitraum erfasst die 30 Jahre vor dem 8.6.2014. Sie bekamen 3.000 Ergebnissen aus denen sie 66 Publikationen mit 4.517 Patienten identifizierten, die Langzeitfolgen der Therapie des Schilddrüsenkrebs zum Thema hatten:
  • 34 Studien mit 1.647 Patienten zum Skelett
  • 17 Studien mit 957 Patienten zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • 10 Studien mit 663 Patienten zu Psychologischen Problemen
  • weitere 10 Studien mit 1.348 zu anderen Beeinträchtigungen


Nicht eingeschlossen wurden Publikationen, wenn es keine Originalarbeiten waren (z.B. andere Übersichtsarbeiten) sowie Einzelfallberichte.

Zusammengefasst kommt die Überischtsarbeit zum Ergebnis, dass es nur eine begrenzte Zahl von Publikationen zu den Langzeitfolgen der Schilddrüsenkrebstherapie gibt, insbesondere bezogen auf die Langzeitfolgen einer Nebenschilddrüsenunterfunktion. Die meisten Studien haben sich meist nur auf Glossar Surrogatparameter und nicht auf patientenrelevante Endpunkte wie z.B. Lebensqualität. Es wird eine große prospektive Studie gefordert.

Folgende Problemfelder werden aufgezeigt:
  • Die TSH-Unterdrückung mit erhöhten fT4-Werten und fT3-Werten im Referenzbereich unterscheidet sich bei Schilddrüsenkrebspatienten vom typischen Profil bei Patienten mit einer Schilddrüsenüberfunktion

  • Endogene und exogene Schilddrüsenüberfunktion haben Langzeit-Nebenwirkungen auf den Knochenstoffwechsel. Es wird vermutet, dass neben den Schilddrüsenhormonen auch TSH einen möglichen Einfluss hat (Abe 2013)

  • Schilddrüsenhormone haben Einfluss auf das Herz-Kreislauf-System
    • systolischer Bluthochdruck
    • Kontraktionsfähigkeit des Herzen
    • Rate des Herzschlags
    • Tachyarrhythmien (schneller Herzschlag mit Herzrhythmusstörung)
    • systolische und diastolische Dysfunktionen


    hinzukommen unbeabsichtigte Nebenwirkungen wie:
  • Nebenschilddrüsenunterfunktion. Die Langzeitfolgen seien auch hier kaum erforscht.
    Eine neuerer Studie konnte zeigen, dass damit Folgen verbunden sind wie
    • höheres Risiko für Infektionen
    • psychiatrischen Erkrankungen
    • verringertes Risiko für Knochenbrüche





Einflüsse auf den Knochenstoffwechsel

Die meisten 34 Publikationen sind Beobachtungsstudien, bei den unterschiedlichste Gruppen verglichen werden, entsprechend uneinheitlich sind die Ergebnisse, wobei die meisten keine Unterschiede aufzeigten.
In 26 Studien davon wird die Knochendichte (GlossarBMD) und in 23 Studien Knochenumsatzmarker verglichen,
Eine Studie (Reverter JL 2010) hat direkt das Risiko von Knochenbrüchen bei Männern untersucht und eine Studie (Schneider R. 2012) hat die Muskelkraft untersucht bei Männer, Frauen vor der Menopause und Gesunden (es konnten jeweils kein Unterschied festgestellt werden).

Die einzige randomisierte Studie (GlossarRCT) kam aus Japan und zeigte auf, dass durch die TSH-Unterdrückung bereits nach einem Jahr, bei den über fünfzig Jährigen eine geringe Knochendichte vorlag
und nach 5 Jahren in allen Altersgruppen (Sugitani I, 2011).

Neuere Studien finden sich auch auf der Seite der Forums-Gruppe: Link innerhalb des ForumsOsteoporose (Knochenabbau)


Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Es wurden 14 Studien gefunden die Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersuchten sowie eine die auch Herz-Kreislauf-Todesfälle untesuchte.

Letztere ist eine Beobachtungsstudie von Klein Hesselink EN, 2013 und zeigte an 524 Schilddrüsenkrebspatienten auf, dass diese im Vergleich zu einer Kontrollgruppe einem mittleren Zeitraum von 8,5 Jahre sowohl ein statisch signifikant höheres Risiko für Herzerkrankungen hatten als auch ein höheres Risiko daran zu sterben.

In den Studien wurden eine Vielzahl von physiologischen und Pathologischen Parametern erhoben. Nur eine Studie hat auch Beschwerden einer Herz-Kreislauf-Erkrankung erfasst (Shapiro LE, 1997)

Untersucht wurden u.a.
  • Herzschlag
    Beim Ruhepuls gab es 9 Studien, alle bis auf eine fanden keinen statisch signifkanten Unterschied zwischen Patienten mit einer TSH-Unterdrückung und einer gesunden Kontrollgruppe.
    Gefunden wurden einer Studie eine höherer Herzschlag, ein statistisch signifikanter Unterschied beim minimal und maximalen Herzschlag, (...)

  • Blutdruck
    Insgesamt 10 Studien untersuchten den Blutdruck.
    Eine Studie fand einen statistisch signifikanten höheren mittleren und systolischen (oberen) Blutdruckwert bei Schilddrüsenkrebspatienten, während die anderen keinen signifikanten Unterschied fanden.
    (...)
    Keine Studie fand einen Unterschied beim diastolischen (unteren) Blutdruckwert.
    (...)

  • Herzrhythmusstörung
    Die Häufigkeit von Herzrhythmusstörung scheint in einem Beobachtungszeitraum von 11 Jahren bei Schilddrüsenkrebspatienten erhöht (Abonowara A, 2012), eine andere Studie konnte jedoch kein Unterschiede im Langzeit-EKG feststellen. (...).

  • Echokardiografie (Untersuchung des Herzens mittels Ultraschall)
    (...)

  • Herz- und Lungenfunktionstest
    (ein Studie)


Zu diesen Beschwerden haben wir die Forums-Gruppe: Link innerhalb des ForumsBluthochdruck (Hypertonie).

Im Zusammenhang mit dem Blutdruck haben wir eine weitere Forums-Gruppe: Link innerhalb des ForumsBlutdruckschwankungen (Baroreflex) eventuell verursacht durch Verletzung des Baroreflex durch Operation und Bestrahlung im Halsbereich.
Auch haben wir eine Forums-Gruppe Link innerhalb des ForumsMuskelschmerzen (nicht Muskelkrämpfe).


Kognitive und psychologische Funktionstest
Es wurde drei Studien identifiziert mit unterschiedlichen Ergebnissen, zum Teil mit Beeinträchtigungen bei den Schilddrüsenkrebspatienten (es wird u.a. mehr Zeit benötigt für einen Test), es wurden jedoch auch zum Teil bessere Ergebnisse bei bestimmten Test erzielt von Patienten mit höherem fT4-Wert.

Forums-Gruppen siehe nächster Punkt Lebensqualität


Lebensqualität

Zur Erfassung der Lebensqualität wurden diverse standardisierte Fragebögen in den insgesamt 6 Studien verwendet:
  • Short Form 36 (SF-36)
  • Somatic Disorder Questionnaire (SDQ)
  • Multidimensional Fatigue Index-20 (MFI-20)
  • Hospital Anxiety Depressive Score (HADS)


Die Ergebnisse sind recht unterschiedlich, zum Teil zeigen die Studien eine reduzierte Lebensqualität, zum Teil gibt es keine Unterschiede, zum Teil sind sie unabhängig von der TSH-Unterdrückung, zum Teil besser sie sich je länger die Therapie zurück liegt, oder die Lebensqualität verbessert sich mit einem Bewegungsprogramm.

Folgende Forums-Gruppen haben wir zum Thema Lebensqualität, kognitive und psychische Beschwerden:


Zucker- und Fettstoffwechsel
3 Studien, von den 2 einen gestörten Zuckerstoffwechsel aufzeigten und eine Studie keinen Hinweis dafür fand.

Blutgerinnung (Coagulation)
Eine Studie untersuchte die TSH-Unterdrückung auf die Zusammensetzung und die Eigenschaften des Blutes.

Immunologie
Ein Studie fand bei 22 Patienten mit TSH-Unterdrückung veränderte immunologische Werte, deren Bedeutung für die Patienten jedoch unklar is.

Zusammenfassung der Autoren der Übersichtsarbeit

Die Autoren kommen zum Schluss, dass es gewisse Evidenz für einen reduzierte Knochendichte, insbesondere bei Schilddrüsenkrebspatientinnen nach der Menopause gibt sowie bei Surrogatparametern von Herz-Kreislauferkrankungen.

Es sei jedoch wichtig zu betonen, dass die meisten Nebenwirkungen potentiell zu verhindern sind oder reversibel seien.

Die wenigsten Studien haben patientenrelevante, klinische Endpunkte gemessen.
Die Link innerhalb des ForumsNebenschilddrüsenunterfunktion (Forums-Gruppe), insbesondere die Langzeitfolgen seien kaum untersucht.

Anmerkung/Kommentar Harald
Diese Übersichtsarbeit listet sicherlich eine Vielzahl von Studien zu den Langzeitfolgen der Therapie auf, dennoch werden einige Langzeitfolgen und Nebenwirkungen überhaupt nicht aufgeführt; siehe folgende Forums-Gruppen:

Auch habe ich den Eindruck, dass die Suchstrategie der Autoren der Übersichtsarbeit auch nicht sehr gut war:
Zitat:
“Thyroid Neoplasms” AND (“Thyroxine” OR “Hypocalcemia” OR “Thyrotropin”).

Es wurde in der Suchstrategie zu sehr auf den Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsenstoffwechsel abgehoben.
Es fehlt daher Studien wie diese Link innerhalb des ForumsStudie: Fatigue bei Schilddrüsenkrebspatienten (Husson 2013)

Durchgefallen ist auch die Studie Link innerhalb des Forums USA: Krebsdiagnose als Risikofaktor für privaten Bankrott (Ramsey 2013), und sicherlich wäre auch die nach dem Untersuchungszeitraum erschienene Link innerhalb des ForumsStudie: Arbeitslosigkeit, geringes Einkommen nach SD-Krebs (Beatrice Uziely et.al. 2015) nicht gefunden worden.

Weitere neuere Studie:

Viele Grüße
Harald

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