Probleme einzuloggen?

Registrieren

Zurück
Foren-Übersicht SD-Foren (allg.) SD - allgemein 1.3. Risiken verstehen - Broschüre ...
Thema: [url=t22232] 

1.3. Risiken verstehen - Broschüre Knoten

[/url].
im Forum: 
Seite 1 von 1
Neues Thema schreiben im Forum: 
 

Antwort erstellen auf Thema:  1.3. Risiken verstehen - Broschüre Knoten Funktion steht nur registrierten Forums-Nutzer*innen zur Verfügung Bei Antworten zu diesem Thema benachrichtigen Funktion steht nur registrierten Forums-Nutzer*innen zur Verfügung
Autor Beitrag
Harald(Bundesgeschäftsführer
Leitungsteam SHG Berlin)
Online
Avatar

Anmeldung: 12.05.99
Beiträge: 15141
fol. SD-CA 97 (oxyphil)
männlich
50+
Beitrag:

Beitrag1.3. Risiken verstehen - Broschüre Knoten

 (p128835)
Verfasst am: 15. Nov 2013, 22:48
Antworten mit Zitat

Broschüre:
Knoten der Schilddrüse und ihre Behandlung
Beobachten oder behandeln/operieren?


Link innerhalb des Forums Inhaltsverzeichnis
vorangehendes Kapitel: Link innerhalb des Forums 1.2. Leitlinie und Evidenz.

1.3. Risiken verstehen

In der Medizin gibt es sehr selten Aussagen, dass etwas zu 100% eintritt bzw. nicht eintritt. Selbst bei Krebs gibt es Spontanheilungen, allerdings treten sie wesentlich seltener auf (je nach Krebsart zwischen 0,000.001% und 8%) als zum Beispiel bei einer Erkältung (nahezu 100% nach 10 Tagen). Vielfach müssen auch unterschiedliche Risiken gegeneinander abgewogen werden.

Literatur Tipp:

Herbert Kappauf: Link innerhalb des ForumsWunder sind möglich: Spontanheilung bei Krebs.
(Kreuz Verlag; 2011)


Wir können Ihnen nur grobe Hilfen geben, worauf Sie bei der Risikoabwägung achten müssen.

Absolute Risiken (Prävalenz) sind Zahlen, die sich darauf beziehen, wie viel Personen einer Gruppe z.B. an dieser Krankheit leiden/sterben oder von dieser Therapie profitieren oder mit Nebenwirkungen zu rechnen haben. So haben unter 100.000 Frauen im Alter zwischen 55-59 Jahren ca. 15 Frauen Schilddrüsenkrebs. Das absolute Risiko eines Schilddrüsenkarzinoms ist in dieser Gruppe ca. 0,0152%.

Betrachtet man jedoch nur Frauen in dieser Altersgruppe, die einen Knoten in der Schilddrüse haben (ca. 42%; siehe Kasten Link innerhalb des Forums1. Einleitung), dann ist zwar das relative Risiko in der Gruppe mit Knoten im Vergleich zur Gruppe ohne Knoten mehr als verdoppelt, jedoch ist das absolute Risiko immer noch sehr gering mit ca. 0,036%. Aussagen zum relativen Risiko sagen wenig über das absolute Risiko aus.

Altersspezifische Erkrankungsraten (Prävalenz) nach Geschlecht, Schilddrüsenkrebs in Deutschland 2007– 2008, je 100.000


Zum Vergleich: Brustkrebs, Frauen im Alter 25-29: 8,0;
im Alter 55-59: 283,5; aus Robert Koch-Institut, 2012, S.66 u.102


Um einen Knoten besser beurteilen zu können, ob er gutartig (benigne) oder bösartig (maligne) ist, gibt es verschiedene diagnostische Methoden. Mithilfe statistischer Methoden wird beschrieben, wie gut eine diagnostische Methode ist.

Diagnostische Methoden/Tests:
  • Anamnese (Krankengeschichte)
  • Abtastung des Halses
  • Blutwerte
  • Ultraschall
  • Feinnadelpunktion
  • Technetium-Szintigraphie
  • MIBI-Szintigraphie
  • PET/CT
  • diagnostische Operation

Das Testergebnis wird positiv genannt, wenn eine Eigenschaft/ein Wert eine Krankheit anzeigen soll. Liegt die Eigenschaft des Tests nicht vor, so lautet das Testergebnis negativ.


Die Sensitivität drückt dabei aus, wie sicher eine Methode herausfindet, dass z.B. von 100 Patienten mit Schilddrüsenkrebs auch möglichst alle gefunden werden. Findet eine Methode 97 dieser 100 Schilddrüsenkrebspatienten, so hat sie eine Sensitivität von 97%.

Eine diagnostische Methode muss jedoch nicht nur möglichst alle Kranken finden, sondern sollte auch Gesunde nicht unnötig verunsichern oder gar erst durch eine dann folgende Behandlung krank machen. Von 100 Personen, die gesund sind, sollten daher möglichst auch alle 100 ein negatives Ergebnis bekommen. Dies ist jedoch selten der Fall, oft bekommt nur ein Teil ein negatives Ergebnis (z.B. 85) und ein anderer Teil ein falsch positives Ergebnis (15). Die Spezifität in unserem Beispiel ist dann 85%.

Sensitivität und Spezifität sind wichtige Eigenschaften einer/s diagnostischen Methode/Tests, sie sagen jedoch nichts über das individuelle Risiko eines Patienten aus, wenn das Test-Ergebnis positiv ausfällt.

Um das individuelle Risiko einschätzen zu können, wenn ein Test-Ergebnis positiv ausfällt, benötigt man Sensitivität und Spezifität sowie die tatsächliche Prävalenz der Krankheit in der Gruppe, in der sich der Patient befindet (siehe folgendes Beispiel).



In unserem Beispiel bekommen so 14.995+35 = 15.030 Frauen ein positives Testergebnis. Das individuelle Risiko, dass man mit dieser diagnostischen Methode bei einem positiven Testergebnis (=positiver prädiktiver Wert) auch wirklich Schilddrüsenkrebs hat, ist: 35/15.030 =0,23%

Die Sicherheit, dass bei einem negativen Testergebnis (= negativer prädiktiver Wert) man auch sicher kein Schilddrüsenkarzinom hat, ist: 84.969/(84.969+1)=99,99%

Das Risiko, trotz eines negativen Testergebnisses Schilddrüsenkrebs zu haben (1 Frau falsch negativ), ist: 1/(84.969+1)=0,001%

Die selbe diagnostische Methode führt bei einer Prävalenz von z.B. 20% anstelle von 0,036% in einer bestimmten Gruppe zu einem völlig anderen Ergebnis, wie sich leicht selber nachrechnen lässt.

Manchmal hilft die Kombination verschiedener Diagnosemethoden bzw. verschiedener Merkmale, um so zu einer besseren individuellen Risikoabschätzung zu kommen. Manchmal führt jedoch eine zusätzliche Diagnostik nicht zu mehr Sicherheit, sondern zu mehr falsch positiven Befunden, zu mehr Unsicherheit, so dass ein geringerer Einsatz von diagnostischen Methoden dann besser für den Patienten ist.

Aus diesen Gründen wird in den Leitlinien ein abgestuftes Schema von diagnostischen Methoden empfohlen, um Überdiagnostik und die Gefahr der Verunsicherung des Patienten zu vermeiden, um nicht durch falschen Alarm (falsch positive Ergebnisse) und nachfolgende Therapien mehr Schaden anzurichten, als dem Patienten zu helfen.

Gute Diagnostik ist nicht viel Diagnostik.

Gute Diagnostik ist die richtige Diagnostik zur richtigen Zeit bezogen auf das individuelle Risiko des Patienten.


Literatur Tipp:

Gerd Gigerenzer: Risiko: Wie man die richtigen Entscheidungen trifft (C. Bertelsmann Verlag 2013) amazon


nächstes Kapitel: Link innerhalb des Forums 2. Funktion der Schilddrüse

Zurück zum Link innerhalb des Forums Inhaltsverzeichnis

_________________
Link innerhalb des ForumsSymposium und Fest zu 20 Jahre Selbsthilfe - www.sd-krebs.de - Berlin, 26.10.2019
Die Veranstaltung ist kostenfrei.
Eine verbindlichen Online-Anmeldung ist notwendig bis 30.09.2019.


Zuletzt bearbeitet von Harald am 23. Nov 2013, 23:42, insgesamt 6-mal bearbeitet
Zurück   Nach oben
Profil anzeigen Private Nachricht senden Ein Gästebuch Beitrag schreiben Danke dieser Beitrag hat mir geholfen. email print

Seite 1 von 1
Drucke Thema: 1.3. Risiken verstehen - Broschüre Knoten
Thema: 

1.3. Risiken verstehen - Broschüre Knoten

im Forum: 

Antwort erstellen auf Thema:  1.3. Risiken verstehen - Broschüre Knoten Funktion steht nur registrierten Forums-Nutzer*innen zur Verfügung Bei Antworten zu diesem Thema benachrichtigen Funktion steht nur registrierten Forums-Nutzer*innen zur Verfügung
Neues Thema schreiben im Forum: 
 
Du kannst nicht einen Termin in diesem Forum posten.
Zurück   Nach oben  
Foren-Übersicht SD-Foren (allg.) SD - allgemein 1.3. Risiken verstehen - Broschüre ...
Pfeil Förderer: Krebshilfe-Logo GKV-Logo
Unterstütze uns mit
Deinen Online-Einkäufen!
verlaesst Seiten von sd-krebs.de
Der gemeinnützige Verein Bundesverband Schilddrüsenkrebs - Ohne Schilddrüse leben e.V. finanziert sich über Spenden, Sponsoring, öffentliche Zuwendungen und Mitgliedsbeiträge (Fördermitglied werden ab 5 Euro im Jahr).
Home | Datenschutz | Seiten-Übersicht | Kontakt | Verein | Impressum

Navigation neu laden | Alle Cookies löschen, die durch das Forum gesetzt wurden  |  Zur Mobilen Version wechseln (Beta)
        Based on: phpBB © 2001, 2005 phpBB Group
nach oben